Der Schattenmann
Frank-Walter Steinmeier, seines Zeichens Aussenminister und Kanzlerkandidat der SPD, will einen guten alten Brauch fortsetzen: den des “Schattenkabinetts”. Darunter versteht man, dass ein Aussichtsreicher Kandidat für den Posten des Regierungschefs vor einer Wahl Leute benennt, mit denen er nach der Wahl gerne Regieren würde. Üblicherweise wird für jeden Posten der echten Regierung also jemand entgegengesetzt, der sich dann zu aktuellen Themen äussert.
Gut, Steinmeier macht das nun also auch. Blöd nur dass er nicht in der Opposition ist - sondern selbst an der Regierung beteiligt, und die SPD sogar die Partei mit den meisten Ministern ist. Die Wähler mögen es sowieso nicht, dass in der Großen Koalition zunehmend weniger regiert und mehr Wahlkampf gemacht wird - dieser Schritt wird Steinmeier erst recht nicht die Herzen zufliegen lassen.
Alles Heiße Luft
Ohnehin frage ich mich langsam, was von Steinmeiers Beratern zu halten ist. Als Beispiel wäre die aktuelle SPD-Kampagne zur Europawahl zu nennen. Es wird schwer werden, weiterhin im Wahlkampf der Linken Populismus vorzuwerfen, wenn man selbst Plakate und Kampagnen schaltet die an selbigem kaum zu übertreffen sind. Am schlimmsten wiegt jedoch der Vorwurf der Linken gegenüber: “Heiße Luft würde die Linke wählen”. Das Problem ist hier: der Vorwurf der “heißen Luft” ist nun einmal gerade jender, den die Wähler allen Parteien vorwerfen. Nicht ohne Risiko also, diesen auf Wahlplakate zu schreiben. Ob der Spruch die Wähler in Massen zur Wahlkabine treibt - ich bezweifle es sehr.
Also liebe SPD, da ist wirklich noch viel Raum nach oben.

