90 % für Internetsperren und 90 % dagegen
Wahlumfragen, Meinungsforschung - ein interessantes Feld. Die Leser dieses Blogs wissen: auch ich zeige gerne und oft solche Umfragen - sie sind nun einmal das einzige, an dem man “Meinung messen” kann - denn niemand kann ja in die Köpfe der Menschen schauen. Dass dennoch Vorsicht geboten, hinterfragen erste Pflicht ist, zeigt einmal mehr ein aktuelles Beispiel zum Thema Internetsperren (siehe Beitrag vom 7. Mai).
Nach der recht erfolgreichen E-Petition gegen Sperrungen, haben die Befürworter der Gesetzesnovelle zunächst eine eigene Unterschriftenkampagne gestartet - Ziel 100.000 Mitzeichner.
Und nicht nur das: es wurde auch eine Umfrage des durchaus als seriös bekannten Instituts Infratest dimap in Auftrag gegeben. Ergebnis: 90% der Befragten waren für ein Gesetz, welches Kinderpornographie verbietet. Was ja auch nicht sehr verwunderlich ist - nur dass diese Inhalte in Deutschland selbstverständlich längst verboten sind, wurde leider nicht erwähnt.
Wie ich soeben auf zeit.de las, haben Gegner des Gesetzes ebenfalls eine Studie in Auftrag gegeben, und ebenfalls bei Infratest. Ergebnis: über 90% der Befragten waren nicht der Ansicht, eine Sperre von Inhalten sei ausreichend, selbst wenn die Inhalte danach weiter im Netz stehen.
Zwei Umfragen, zwei konträre Ergebnisse - durch jeweils sehr manipulative, zugespitze Fragestellungen. Ein Ergebnis das nicht sehr verwundert, welches uns allen aber im Hinterkopf bleiben sollte. Und zwar nicht nur in dieser Debatte, sondern ganz allgemein beim Vertrauen auf Umfragen: wichtig ist, neben dem Namen eines seriösen Instituts, vor allem auch immer der Auftraggeber.

