In der gestern ausgestrahlten Sendung “Zuschauer fragen - Bundeskanzlerin Merkel antwortet”, hat sich Angela Merkel den Fragen des Publikums gestellt. In der Sendung, die von Spiegel TV und RTL produziert wurde, hatten ausgewählte Zuschauer die Möglichkeit ihre Frage zu stellen. Peter Kloeppel moderierte.
Die Kanzlerin wirkte größtenteils sehr souverän - vermutlich waren ihr die Fragen bekannt, wie in solchen Formaten nicht unüblich.
Der erste Teil der Sendung thematisierte die Wirtschaftskrise. Merkel machte ihre Distanz zu den Bänkern deutlich (”Wir haben Milliarden in die Hand genommen - nicht für die Banken und die Bänker, sondern für Spareinlagen und Kredite“) und der Forderung, Bonis erst nach einer Erfolgsfrist auszuzahlen.
Die Kanzlerin machte ihre Standpunkte klar, führte gut aus und scheute sich nicht die Fragestellern durch pfiffige Rückfragen zu kontern. So fragte sie einen arbeitslosen Leiharbeiter, der ihr sein Leid geklagt hatte (zweimonatige Wartefrist vom Arbeitsamt), ob er die Krise nicht nutzen wolle um einen Beruf zu lernen, und was er sich vorstellen könnte. Die Antwort (”Gärtner“) konterte sie mit dem Vorschlag, doch in den Bereich Kinderbetreuung / Altenpflege zu gehen, und hatte das Publikum auf ihrer Seite.
Etwas schwächer wurde die Kanzlerin beim Thema Schulden: die Frage einer besorgten Mutter, ob man die Last der Schulden ihren Kindern zumuten könne, beantwortete Merkel mit der geplanten Schuldenbremse ab 2015-2020. Nur: damit nimmt sie nicht die Last von kommenden Generationen, sondern sorgt nur dafür dass diese selbst dann keine Schulden mehr aufnehmen können.
Bei der Frage nach einer Sondersteuer für Vermögende mit mehr als 100.000 Euro Jahreseinkommen, flüchtet sich Merkel in die Argumentation, keine Freiberufler und Familienunternehmen schädigen zu wollen. Nur wollte der Fragesteller diese sicher nicht mit einschließen - leider eine per Video eingespielte Frage, ohne Möglichkeit einer Reaktion.
Trotzdem, über weite Strecken machte Merkel eine gute Figur. Ein bisschen unglücklich nur das kurze Gespräch mit einer Angehörigen eines Winenden-Opfers: die berechtigte Frage, ob man nicht Munition und Waffen per Gesetz trennen müsste, beantwortet Merkel stockend und etwas unzureichend damit, Deutschland habe “eines der Strengsten Waffenrechte der Welt”. Die Fragestellerin hat das sicher nicht überzeugt.